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Ein Vormittag mit Paro und Pepper

„Smartphones raus“, so beginnt Christian Buhtz, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg, die zweite Veranstaltung der Reihe „Zukunftswerkstatt“, diesmal im Saal des Albertinen Hauses. Ein paar Senioren ziehen zögerlich ein Smartphone aus der Tasche. „Wir machen jetzt eine Onlineumfrage“, sagt Buhtz. Nach ein paar Minuten löst der Dozent die Situation auf: „Ich wollte nur sehen, wer überhaupt ein Smartphone besitzt“. Dass sie ihr Smartphone nur zum Fotografieren und Whatsappen mit den Enkeln benutzt, gab eine Seniorin zu. In vielen Gesichtern stieß dies auf Zustimmung. Und schon waren alle mitten im Thema. Dass Technik nicht immer so gut angenommen wird, liegt aus Sicht von Herrn Buhtz nicht nur an der fehlenden Akzeptanz von Senioren, sondern an der nicht bedürfnisgerechten Benutzeroberfläche und dem nicht klar erkennbaren Mehrwert eines technischen Produkts. Um den möglichen Mehrwert von Technik im Gesundheitsbereich zu demonstrieren, hat Herr Buhtz einige Innovationen in seinem Koffer mitgebracht.

Buhtz packt das erste Exponat, ein Exoskelett, aus. Eine Vorrichtung, die, vor allem in der Industrie, als externes Unterstützungsgerät die Arbeit bei Streck- und Bückbewegungen schonender verrichten lassen soll. Den Anwesenden brennen direkt Fragen auf der Seele: „Hilft das auch bei Rückenverkrümmung“, „bin ich damit schneller oder stärker“? Leider nichts davon. Herr Buhtz stellt klar, dass dieses Modell vor allem im beruflichen Kontext eingesetzt werden wird. Womöglich auch in der Pflege, da Rückenschmerzen einer der Hauptgründe für den Ausfall von Personal im Pflegebereich ist. Weiter geht’s mit Pepper! Pepper ist ein humanoider Roboter, der darauf programmiert ist, Menschen und deren Mimik und Gestik zu analysieren und auf diese Emotionszustände entsprechend zu reagieren. Pepper begrüßt den Dozenten mit mechanischer Stimme. „Den will ich haben!“, kommentierte eine Anwesende. „Jetzt lass doch erst mal sehen, was der überhaupt kann“, eine andere.

Guter Einwand, findet der Dozent. Schnell klärt er auf, dass Pepper und Roboterkollegen noch lange nicht in der Lage sind, mehr als ein Entertainment- oder Kommunikationsprodukt zu sein. Hol- und Bringtätigkeiten sind noch nicht möglich und gar ein Einsatz als Ersatz für Pflegekräfte in nicht absehbarer Zukunft vorstellbar. Zudem ist der aufgerufene Preis von ca. 20.000 € doch auch etwas happig für den Eigenbedarf. Dass da ja ein Tamagotchi billiger sei, bemerkt eine Seniorin und einige schmunzeln.

Vorgestellt wird noch ein Kopfkissen, welches durch Neurostimulation – Musik mit bestimmter Frequenz – bei Einschlafproblemen und bei demenzieller Veränderung helfen soll sowie ein Blasensensor, der den Füllgrad der Blase grafisch auf dem Smartphone darstellen und für Menschen mit Lähmung oder Inkontinenz sehr praktisch sein kann. Auch gab es einen automatisierten Tablettenspender zu sehen, der mit Alarmsignalen an die Einnahme der Tabletten erinnert und bei nicht erfolgter Einnahme eine Nachricht an eine hinterlegte Telefonnummer sendet. Die Ausführungen des Referenten stoßen auf reges Interesse und führen zu einem bunten Strauß an Fragen.

Als die Babyrobbe „Paro“ auf der Bildfläche erscheint, hallen Entzückungsausrufe durch den großen Saal. Sehr schnell landet sie auf dem Arm einer Dame. „Jetzt sind Sie abgemeldet“ bemerkt sie in Richtung Dozent gewandt. Natürlich mit einem Augenzwinkern.

Paro ist ein Roboter, welcher im flauschigen Sattelrobbenfell mit großen, klimpernden Augen alle in seinen Bann zieht. Die Grundidee: beruhigende und lösende Wirkung auf Menschen mit Demenz. Tierische Laute ausrufend und schwanzflossenwackelnd wandert sie so von Arm zu Arm. Auch die Herren in der Runde, anfangs skeptisch, können ihr nicht lange widerstehen: „Jetzt hat sie mich auch“.

Die Zukunftswerkstatt endet an diesem Tage bei einer Zusammenkunft bei den ausgestellten Exponaten und der Möglichkeit, in offener Runde Kontakte auszutauschen. Der gerade noch lebendig wirkende Roboter Pepper fährt nun kopfsenkend herunter und wird platzsparend in einer Kiste verstaut. Wieder ein spannender Exkurs in die Möglichkeiten moderner Technik.

Titelbild: Pixabay, StockSnap