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in der Kategorie PAUL

HINTER DEN KULISSEN: Dr. Lars Wolfram

Welche Vorteile bringt die Videotelefonie für Ärzte und Patienten, insbesondere für diejenigen im hohen Alter? Dieser Frage gehen die Projektpartner des NetzWerks GesundAktiv (NWGA) nach. Seit kurzem kann zunächst ein kleiner Teilnehmerkreis die Videosprechstunde nutzen. Das geht unkompliziert und mit einer gesicherten Verbindung über den Tablet-PC PAUL („persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“), den auf Wunsch jeder NWGA-Teilnehmer erhält. Damit können die Patienten von Dr. Lars Wolfram zu bestimmten Sprechzeiten in seinem virtuellen Wartezimmer Platz nehmen.

Wir haben Dr. Wolfram gefragt, welche Erfahrungen er mit der Videotelefonie im NWGA bereits gesammelt hat. Außerdem erklärt er im Interview, wie die Videosprechstunde funktioniert und dazu beiträgt, dass Menschen auch im höheren Alter so lange wie möglich selbstbestimmt leben können.

Herr Dr. Wolfram, Sie engagieren sich als erster Arzt im NWGA für die Videosprechstunde. Wie können die NWGA-Teilnehmenden sie nutzen?

Dr. Lars Wolfram: Seit Ende letzten Jahres versorge ich im Rahmen des NetzWerks GesundAktiv einige Patienten in der Videosprechstunde, die in unserer Praxis jetzt einmal wöchentlich zu einer festen Zeit stattfindet. Man kann aber auch individuelle Termine per SMS vereinbaren. Konkret läuft es so ab: Ich als Hausarzt werde automatisch mit einem virtuellen Wartezimmer verbunden, in das sich meine Patienten über einen Button auf ihrem Tablet-PC PAUL eingewählt haben. Dort können sie auf einen Blick sehen, wie viele vor ihnen im Wartezimmer sind. Als Arzt sehe ich das auch und kann meine Patienten dann der Reihe nach anrufen.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Videosprechstunde über das Smartphone durchzuführen. Die NWGA-Teilnehmer bekommen dafür per SMS einen Aktivierungslink von mir zugeschickt, mit dem eine sichere Verbindung zu mir hergestellt werden kann. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Teilnehmer ein Smartphone nutzen. Die Erfahrung zeigt aber, dass ein Großteil meiner Patienten in der Altersklasse der 70 bis 75-jährigen bereits ein solches Gerät besitzt.

Dr. Lars Wolfram

Wie profitieren Patientinnen und Patienten von der Videosprechstunde mit dem Hausarzt?

Wolfram: In erster Linie sehe ich hier den großen Vorteil in der Versorgung von älteren Patienten, die den Weg in die Praxis nicht mehr so gut auf sich nehmen können. Natürlich gilt das auch für ansteckende Patienten, die sich nicht lange im Wartezimmer der Praxis aufhalten sollen oder möchten.

Ganz besonders hilfreich wird die Videosprechstunde in der Versorgung von Pflegeheim-Patienten sein: Insbesondere bei akuten Anliegen könnte man sich mit einem Tablet vor Ort im Pflegeheim mit dem jeweiligen Patienten vernetzen – das spart Fahrtzeiten, und man kann flexibler und schneller auf die jeweiligen Bedürfnisse der Patienten eingehen.

Sie sagten eben, dass besonders ältere Patienten von der Videosprechstunde profitieren können. Welche Voraussetzungen müssen sie dafür mitbringen?

Wolfram: Grundvoraussetzung ist natürlich eine gewisse Technik-Affinität der Patienten. Außerdem benötigen sie den Tablet-PC PAUL oder ein normales Smartphone mit Internetverbindung, um das Angebot nutzen zu können.

Um den Umgang mit PAUL zu üben, erhält jeder Teilnehmende zunächst eine Einweisung durch einen persönlich Betreuenden. Im Café PAUL – das ist ein offener Treff im Albertinen Haus, der wöchentlich stattfindet – können die Teilnehmer ihre Fragen loswerden und üben. Außerdem können sie sich mit anderen Netzwerk-Teilnehmern austauschen. Sollten darüber hinaus technische Störungen oder Fragen auftreten, gibt es einen 24h-Support über eine kostenlose Hotline.

Wie nehmen Ihre Patientinnen und Patienten das Angebot der Videotelefonie an?

Wolfram: Von meinen Patienten habe ich bisher durchweg positives Feedback zur Videotelefonie erhalten. Anfangs war es für einige noch gewöhnungsbedürftig, da der Kontakt per Video für sie neu war. Es ist etwas anderes, wenn man sich über einen Tablet-PC unterhält, anstatt den Arzt persönlich aufzusuchen. Ein paar Teilnehmern hat geholfen, dass sie die Videotelefonie bereits von den Fallmanagerinnen kennen: Die ersetzen die normale Telefonie häufig durch Videotelefonie, um mit den Teilnehmern zu sprechen und sie zu beraten und dabei gleichzeitig noch zu sehen. Dadurch ist das System nicht mehr so fremd und neuartig. Ich freue mich, dass das Angebot so gut angenommen wird und ich es auch in diesem Jahr weiterhin für die NWGA-Teilnehmer anbieten kann. Weil sich das Konzept so gut bewährt hat, führe ich die Videotelefonie darüber hinaus auch schon mit Patienten durch, die keine Teilnehmer im Netzwerk sind. Und auch unter den Kollegen findet das Angebot immer größeren Anklang – gerade aufgrund der aktuellen Gegebenheiten in der Corona-Krise.