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HINTER DEN KULISSEN: Nicole Hasselberg

Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin im Hamburger NetzWerk GesundAktiv (NWGA) erhält einen auf ihn individuell abgestimmten Unterstützungsplan, der zu einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben in der eigenen Wohnung beitragen soll. Er kann beispielsweise eine Empfehlung zur Physiotherapie oder zum Seniorensport, eine weitere ärztliche Abklärung, Unterstützung und Entlastung im Alltag sowie Angebote zur sozialen Teilhabe enthalten. Die Grundlage für den Unterstützungsplan bildet ein soziales Assessment, eine umfassende altersmedizinische Untersuchung und eine Fallkonferenz in der Koordinierenden Stelle. Diese wurde eigens für das Projekt eingerichtet und befindet sich am Albertinen-Haus in Hamburg-Schnelsen. Um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglichst gut bei der Umsetzung des Plans zu begleiten, gibt es für sie im NetzWerk einen persönlichen Ansprechpartner bzw. eine persönliche Ansprechpartnerin – einen so genannten Fallmanager.
Im Interview berichtet Nicole Hasselberg über ihre Erfahrungen als Fallmanagerin und was ihre Arbeit in dem Projekt so einzigartig macht.

Frau Hasselberg, ältere Menschen sind nicht gleich ältere Menschen – jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse. Wie schaffen Sie es als Fallmanagerin, allen Personengruppen gerecht zu werden?

Nicole Hasselberg: Als ein Teil der koordinierenden Stelle ist es unser Anliegen, jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin kontinuierlich und individuell bei der Umsetzung seines Empfehlungsplanes zu begleiten. Wir sind gut im Bezirk vernetzt und eine Kollegin recherchiert kontinuierlich neue Angebote. Diese sind dabei so niedrigschwellig wie möglich. So haben auch Personen, die ein bestimmtes Angebot sonst nicht in Anspruch genommen hätten, die Möglichkeit dazu. Wir orientieren uns dabei an Angeboten in Wohnortnähe unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder an Angeboten des NWGA im Albertinen-Haus, zu denen dann auch bei eingeschränkter Mobilität ein Fahrdienst angeboten wird. Sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Beratung zu einem komplexen Sachverhalt benötigen, haben wir außerdem die Möglichkeit, Hausbesuche durchzuführen. Uns ist dabei besonders wichtig, dass wir uns immer am Bedarf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientieren und Sie wissen, dass wir für sie da sind.
Um flexibel auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzugehen, führen wir nach Bedarf Gespräche, um eine optimale Begleitung zu ermöglichen. In einem Rhythmus von sechs Monaten gehen wir proaktiv auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu und tauschen uns mit ihnen zu ihrem persönlichen Unterstützungsplan aus. Sollte sich etwas an ihrer Situation geändert haben, können wir individuell darauf eingehen, den Plan entsprechend anpassen oder gemeinsam nach Alternativen suchen.

Nicole Hasselberg, Fallmanagerin im NetzWerk GesundAktiv

In welchen Bereichen stellen Sie den größten Beratungsbedarf der Teilnehmer fest?

Hasselberg: Häufig werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Fragen zur Umsetzung von Vollmachten und Patientenverfügungen sowie zu Schwerbehindertenausweisen gestellt. Viele von ihnen haben insbesondere dann einen hohen Beratungsbedarf, wenn sie merken, dass sie sich in ihrem Haushalt nicht mehr wie gewohnt selbst versorgen können. Wir sind ihnen dann bei Fragen zu Pflegeleistungen behilflich. Dies gilt ebenfalls, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Angehörige wie den Ehepartner zu pflegen haben.

Was macht das NWGA für sie Persönlich so besonders?

Hasselberg: Es ist für ältere Menschen – insbesondere dann, wenn es Veränderungen in ihrem Alltag gibt oder es komplexe Themen betrifft – sehr hilfreich einen persönlichen Ansprechpartner oder eine persönliche Ansprechpartnerin zu haben, der sie nach ihren Wünschen unterstützen kann. Wir kümmern uns situationsbezogen um alle Anliegen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer und pflegen die Kontakte mit ihnen regelmäßig. So haben sie jemanden, den sie anrufen können und wo sie nachfragen können – egal um welche Frage es sich handelt. Wir dienen als direkter Ansprechpartner und haben dabei im Vergleich zu anderen Experten-Beratungen, an welche wir gegebenenfalls auch verweisen, ein sehr breites Beratungsspektrum. Hinzu kommt außerdem die Chance, dieser Personengruppe mit Hilfe des technischen Unterstützungssystems PAUL die Digitalisierung ein Stück weit näher zu bringen.

Wie der Name NetzWerk GesundAktiv schon verrät, ist es für uns von zentraler Bedeutung, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander zu vernetzen. Das gelingt uns, indem wir Paul-Internet-Cafés, Schnupperkurse für Bewegung und wohnortnahe Stammtische organisieren. Besonders beliebt sind auch unsere Sommerfeste. So können wir den Kontakt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander fördern und diese aus einer möglichen Isolation herausholen. In meinen Augen ist diese Kombination mit keinem anderen Angebot vergleichbar.

Die Corona-Pandemie treibt den Digitalen Wandel in vielen Branchen ein Stück weiter voran. Können Sie diese Entwicklung auch im NWGA beobachten?

Hasselberg: Grundsätzlich nehme ich ein verstärktes Interesse an Anwendungen wie der Videotelefonie wahr. Trotz des positiven Trends merke ich aber noch eine gewisse Scheu. Daher versuchen wir als Fallmanagerinnen und Fallmanager immer wieder, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer proaktiv auf das Angebot aufmerksam zu machen und sie an die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu erinnern. Darüber hinaus sind wir natürlich weiterhin per Telefon für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer da. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits mit der Videotelefonie vertraut sind, spiegeln uns jedoch erfreulicherweise eine äußerst positive Rückmeldung. Gerade in der aktuellen Situation, wo soziale Kontakte eingeschränkt sind, führt die Videotelefonie zu einer Bereicherung. Auch die Arzt-Videotelefonie setzt sich immer mehr durch.