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„Ich wusste gar nicht, dass ich mich so sehr für Technik interessiere!“

Manche Dinge erlebt man (wahrscheinlich) nur einmal im Leben. Der Besuch im Technik Forschungslabor der Helmut Schmidt Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg im Rahmen der Exkursion zum Thema „SMART-ASSIST“ gehört vermutlich für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des NetzWerk GesundAktiv (NWGA) dazu. Von den 31 Grad Außentemperatur werden wir die nächsten vier Stunden, dank der abgeschotteten Kellerräume, nichts mitbekommen.

Im Forschungslabor angelangt, werden wir von einem interdisziplinären Team in Empfang genommen. Zu ihnen gehören Produktionstechniker, Soziologen, Bewegungswissenschaftler, Mediziner, Pflegewissenschaftler, Techniksoziologen, Produktdesigner und Rechtswissenschaftler. Sie haben sich unter Univ.-Prof. Dr.-Ing. Robert Weidner zusammengeschlossen mit dem Ziel, „technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“, zu entwickeln. Ein weiteres Ziel: Menschen zu unterstützen und nicht durch Technik zu ersetzen.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Robert Weidner führt kurzweilig in die Thematik ein. Assistenzsysteme verfolgen verschiedene Ansätze. Entweder sie haben den Anspruch, stabilisierend, verstärkend und / oder  ergänzend genutzt zu werden. Handlungen und Tätigkeiten zu übernehmen, die ansonsten nicht mehr umzusetzen wären, sind ein anderer Forschungsfokus, der hier nicht verfolgt wird. Letztere werden vor allem im Bereich der Rehabilitation nach beispielsweise Schlaganfällen oder Querschnittslähmungen eingesetzt.

Damit sich Teilnehmenden des NWGA möglichst intensiv einen eigenen Eindruck über die ausgestellten Assistenzsysteme verschaffen können, verteilen sie sich an vier Stationen im Raum. Und los geht es! Der erste Teilnehmer testet ein sogenanntes „weiches Assistenzsystem“, welches den Rücken bei einer Beugebewegung entlasten soll. Man kann es sich wie einen Autogurt vorstellen, welcher an Schultern und an beiden Knien befestigt wird. Kein Kabel, kein Schalter und leider auch für ihn keine Wirkung. Der Teilnehmer ist enttäuscht. „Ja dieses Produkt aus China ist auch im Test durchgefallen“, sagt der Experte und winkt zu den wesentlich komplexer aussehenden Produkten. Der Teilnehmer zieht, mit etwas Hilfe, den Rucksack-ähnlichen Rückenunterstützer der Marke „laevo®“ an. Der Senior bückt sich und wird beim Aufrichten von dem System unterstützt. Seine Reaktion: „Es ist erstaunlich, ja toll!“

An der zweiten Station kann eine Aktiv-Ohrthese getestet werden. Sie soll den Fußhebermuskel unterstützen und so die Sturzgefahr bei vorhandener Einschränkung reduzieren. Das Produkt in der Entwicklungsphase kommt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut an.

Die Chance, mit den Experten fachsimpeln zu können, wird eifrig genutzt und so denken sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch aktiv in den Forschungsprozess mit ein – sogar alternative Lösungsvorschläge werden diskutiert.

An den letzten beiden Stationen lernen wir die Seite der Bewegungswissenschaftler kennen, die überprüfen, ob Systeme in der Realität funktionieren könnten. Abschließend kann jeder noch einmal ein Nacken-Schulterentlastungssystem überwerfen und überprüfen, wie sich eine handwerkliche Tätigkeit über Kopf mit dem Unterstützungssystem anfühlen würde. Wesentlich angenehmer und viel länger auszuhalten als ohne Assistenzsystem, ist das allgemeine Fazit.

In der Abschlussrunde wird viel Lob ausgesprochen. „Ich bin absolut begeistert und habe bis hierhin noch viel zu wenig mitbekommen von der Thematik“ teilt eine Teilnehmerin mit. Eine weitere Dame stellt fest: „Ich wusste gar nicht, dass ich mich so sehr für Technik interessiere“. Das klingt nach einer gelungenen Exkursion und wir freuen uns, dass wir die Möglichkeit hatten, in einen Bereich der aktuellen Forschung der Helmut-Schmidt-Universität zu blicken. An dieser Stelle ein Dank an das gesamte Team der Spezialisten.